Nationalmannschaft

      Das Problem der Farmteams ist, dass die bisher nur dort existieren, wo Mäzene die Rechnung bezahlen. Das ist auch beim ZSC bzw. den GCK-Lions der Fall, die das Ganze schon am längsten betreiben - Ausbildungsentschädigung hin oder her. Wenn Walti Frey oder seine Erben das Engagement dereinst zurückfahren (deshalb ist die neue Halle in Zürich für den ZSC auch so wichtig...) wird man gewisse Dinge überdenken müssen.

      Und mit dem Nachziehen eigener Junioren ist es halt mittlerweile auch so eine Sache. Schafft einer wirklich den Schritt direkt von den Elitejunioren in die NLA, so ist die Chance gross, dass er nach 2-3 Saisons in Richtung Nordamerika entschwindet. Mit denen hat man leider noch kein Abkommen betr. Ausbildungsentschädigung. Einen derartigen "Output" hat aber die Nachwuchsarbeit in der CH auch nicht, dass man dies einfach kompensieren könnte. Die Bereitschaft, den eigenen Nachwuchs einzusetzen ist heutzutage viel grösser als noch vor 15-20 Jahren. Gerade die Stadtklubs, welche auf diesem Gebiet lange sündigten, haben eine Kehrtwende vollzogen. Der ZSC wurde schon erwähnt; in Bern gibt es zwar kein Farmteam, trotzdem sind die Nachwuchsmannschaften meist vorne dabei und haben in den letzten Jahren den einen oder anderen Titel geholt. Auch dort purzelt aber nicht jedes Jahr ein Josi, Bertschy oder Vermin vom Band.

      Da das grosse Wehklagen wesentlich durch die Auftritte der Nationalmannschaft befeuert wird, müsste man sich aber etwas genauer mit den Vorgängen dort auseinandersetzen, statt die Problematik einfach "der NLA" oder "der Nachwuchsarbeit" anzulasten. Sicher gibt es dort noch vieles zu verbessern, insbesondere was Physis, Durchsetzungsvermögen und Abschlussqualität anbelangt. Nur tragen die grotesken Kalbereien bei der Führung der Nationalmannschaft vermutlich noch weitaus mehr zum Krebsgang bei. Der ehedem an diversen Orten nicht ganz ernst genommene Wettbewerb namens "Champions-League" hat immerhin den Vorteil, die Relationen etwas in den Rahmen zu rücken. Der HCD hat es letztes Jahr in der CHL bereits vorgemacht, und auch dieses Jahr sind immerhin 3 CH-Teams unter den besten 8 Klubs von Europa ausserhalb der KHL. Auch wenn es gegen die stärksten Vertreter aus Tschechien oder Skandinavien dann vermutlich nicht mehr reichen wird, so steht das Abschneiden dort in einem ziemliche Kontrast zu den Auftritten der Nationalmannschaft. Denn an dieser gäbe es kaum Kritik, würde es nur gegen die Schweden, Finnen oder Tschechen nicht (mehr) reichen...
      was für eine wm!
      die schweiz vergibt gegen aufsteiger gleich im ersten spiel punkte und schlägt als einzige die canadiens. die schweiz gerät gegen canada mit 0:2 in rücklage, wechselt den goalie und gewinnt in der overtime mit 3:2 n.V. 24 stunden später widerfährt ihnen dasselbe gegen die finnen. gegen norwegen schläft man auf dem sofa ein, gewinnt aber souverän mit 3:0. und dank den canadiens mit einem sieg über norwegen sind wir für die viertelfinals qualifiziert. fast schon zu kitschig, um wahr zu sein.

      nach dem ersten jahr fischer-nati war ich mir nicht sicher, ob man nicht doch einen anderen, vielleicht reiferen coach für diese nati hätte organisieren sollen. heute, ein jahr später bin ich mir sicher. sicher aber, dass fischer für diesen job der richtige ist.

      erinnern wir uns zurück ins jahr 1996. damals kam arno del curto nach davos. 38 jährig, in zürich zu unrecht entlassen, dann junioren-nati-coach und trainer des ehc luzern. und dann: chefcoach des hc davos. wie immer gab es damals die berufsnörgler. was? der del curto, bei uns? in davos? - danach eine saison des umbruchs, neuausrichtung. offensiver, wahnsinn auf dem eis und das frühe ausscheiden in den playoffs. ein jahr später zum ersten mal seit dem wiederaufstieg im playofffinal.

      genau so verhält es sich mit sushi fischer. ebenfalls mit knapp 40 schweizer nationaltrainer. erste saison sah man veränderungen im team, aber noch nicht den durchbruch. dann erkenntnisse, dass man EINE nationalmannschaft haben sollte und nicht irgend eine. gerippe der mannschaft soll längerfristig stehen. richtige mischung in der mannschaft. die vorbereitungsspiele haben gezeigt, dass diese mannschaft charakter hat, dass sie spiele drehen kann. dass sie intelligent ist, aus fehlern lernt. in den ersten spielen der vorrunde konnte man teilweise kaum hinsehen. und von spiel zu spiel wurde die mannschaft besser. sattelfester. fasst fast keine dummen strafen mehr, geht aufs goal, kommt über die flügel. kann aber auch defensiv spielen. ja, unsere nati ist erwachsen geworden. sie lässt sich nicht mehr aufgrund eines tores oder eines schlechten spiels aus dem konzept bringen. es wird nicht mehr gerechnet, was noch alles geschehen könnte, damit man trotzdem mit dem minimum noch irgendwie weiter kommt. nein, es wir jedes spiel herunter gespielt, als wäre es das einzige. das kollektiv funkioniert, es ist ein geist in der mannschaft.

      daher ist für mich sushi fischer der richtige nationalcoach. ich habe auch das gefühl, dass er sich in dieser verantwortung wohl fühlt. hätte ich vor einem jahr vielleicht noch anders entschieden, aber fischer sollte nun vom verband einen längerfristigen vertrag erhalten, damit er etwas aufbauen kann. mit diesem team. mit seinem staff.
      @ Thibaudeau

      Geht mir auch so mit Fischer. Jetzt ist er wirklich angekommen. Böser Gedanke: Vielleicht hatte er letztes Jahr einfach die falschen Assistenten!

      Was die erste Saison unter AdC 96/97 angeht, bin ich aber nicht deiner Meinung. Sie kamen da erstmals seit dem Wiederaufstieg wieder bis ins Halbfinal, wo sie an Zug scheiterten. Unter Waltin gabs vorher drei Viertelsfinal-Niederlagen (Kloten, Fribourg, Zug).
      Ja eine erstaunlich gute WM. Hätte ich diesem Team auch nicht zugetraut....

      Das Rausnehmen von Hiller war aber sehr hart, obwohl es den Zweck offenbar erfüllt hat. Jonas ist offenbar sehr angepisst. Ich glaube ja kaum, dass dieser sich am nächsten Tag beim Warmup am Vormittag eine Zerrung zugezogen hat. Es war einfach die eleganteste Lösung sich aus der Affäre zu ziehen. Ich bin sicher der Kanada-Match waren seine letzten 6 Minuten für die Nationalmannschaft. Er wird wohl nach der WM den Rücktritt geben.
      @ leo
      ja, du hast recht. ich habe mich im jahr verirrt. war der meinung (erinnerung), arno sei auf die saison 1995 / 1996 schon in davos gewesen, aber er wurde wirklich auf anhieb vizemeister. dass das im 1997 war, wusste ich noch.

      @ clark
      diese gedankenfolge hatte ich auch. aber auch hier ist es in dem sinn richtig gelaufen: jonas gehörte mit an die wm. jonas ist nicht der erste goalie, der aus der nhl zurück kommt und dann einen rückläufigen erfolg hat. es war auch richtig, dort den goalie zu wechseln, nich die schuld von jonas aber halt ein zeichen an die mannschaft, dass man an eine wende glaubt. mittlerweile wissen wir auch, dass wir mit genoni und schlegel ein gutes duo haben und dass ein dritter von hinten nachdrängt. :)
      Nur um einigermassen bei den Fakten zu bleiben von wegen Fischer:

      Ich mag ihm den aktuellen Erfolg gönnen, allerdings benötigte es dafür einen ziemlich steinigen Lernprozess, den ein "Ausländer" kaum im Amt überlebt hätte. Die aktuelle taktische Ausrichtung basiert nicht mehr auf der Illusion, man gehöre zu den "Grossen" und könne daher spektakulär nach vorne stürmen, sondern ist wieder geerdet und auf die Fähigkeiten der CH-Spieler zugeschnitten. Das heisst primär mal diszipliniert und gut organisiert defensiv spielen, um sich so die Chance zu wahren, auch mit wenigen Torchancen und etwas Abschlussglück Punkte zu holen. Wie Figura zeigt, mag es auf diese Weise im Durchschnitt nicht mehr als 1 bis maximal 3 Gegentore leiden. Dazu benötigt man mindestens einen starken oder gar über sich hinauswachsenden Torhüter. Und eben auch etwas "Puck-Glück" der Tüchtigen. Denn es wird auch künftig nicht zum Standard werden, dass Herzog aus etwa 5 guten Abschlussmöglichkeiten 3 Tore erzielt wie gegen Kanada und Finnland (zusammengenommen).

      Nachdem Fischer schon in Lugano mit einem ähnlich unsoliden Spielkonzept Schiffbruch erlitten hatte, konnte man nur noch staunen, dass er es auch als Nati-Coach (vorerst) nicht kapierte. Wie gesagt, ein ausländischer Coach hätte dies kaum überlebt, aber da man sich im Verband nun mal "Swissness" auf die Fahne geschrieben hat, wurde Fischer als "Nachhilfe" und zur Aufsicht Albelin als Assistenten verordnet. Ob Fischer es nun doch noch eingesehen hat, oder ob die bedeutend realistischere Spielanlage Albelin zugeschrieben wird, ist unerheblich.

      Auch die Nationalmannschaft wird in erster Linie an den Resultaten gemessen, es würde vermutlich niemand das solide Spiel in der eigenen Zone rühmen, wenn vor der gegnerischen Kiste die Scheibe nicht auch etwas für uns laufen und reinfallen würde. Dafür braucht es einerseits eben etwas Glück, andererseits auch das erarbeitete Selbstvertrauen, welches bekanntlich sehr vieles möglich macht. Daraus hat sich eine positive Dynamik entwickelt, welche das Team nach einem harzigen Start komfortabel in die 1/4-Finals trug. Da die grossen NHL-Koryphäen fehlen, ist diese Entwicklung ebenso unerwartet wie erfreulich. Daran sollte man auch denken, wenn es dem Team ein anderes Mal trotz viel gutem Willen nicht so läuft beim Toreschiessen.

      Für das CH-Hockey kann man auch dieses Jahr die Lehre ziehen, dass wir punkto Physis, Kraft und Durchsetzungsvermögen sehr viel Luft nach oben haben, währenddem man technisch und läuferisch einen auch international ansprechenden Stand aufweist.
      @ ice
      also wenn ich deine aussagen nun richtig zusammen fasse, dann sollte man fischer nicht verlängern, weil:
      - er vor 5 jahren mit lugano nicht weiter gekommen ist
      - er ein schweizer ist und kein ausländer
      - er nun einen assistenten zur seite hat, mit dem es funktioniert
      - die mannschaft an dieser wm einmal wettkampfglück hat, das man in den vorjahren immer vermisste
      - die scheibe vor dem tor auch mal für uns läuft
      - das team gewachsen ist und die alljährliche panikartige angst unter patrick verloren hat

      einverstanden! sofort einen ausländischen trainer her, der den guten draht zum team wieder verliert, auf clubebene eine tolle vergangenheit hat, alles über den haufen wirft, die schweizer mannschaft wieder despektiert und damit wieder die ehrfurcht vor den 6 grossen nationen zurück kehrt. unbedingt, unverzüglich, sofort.
      Es geht nicht um "Fischer-Bashing" sondern um Fakten. Und die sind halt so, wie sie sind. Ich mache - auch wenn es schlecht laufen würde - zum Beispiel nicht Fischer dafür verantwortlich, wenn die CH-Spieler im Abschluss sündigen oder in den Powerplays nicht so brillieren. Das kann ein Nati-Coach nicht in ein paar Wochen ändern, und in den Klubs sind an Schlüsselpositionen halt oft Ausländer am Werk.

      Wenn man jedoch so naiv und undbedarft spielt wie an der letzten WM, oder wie ein HC Lugano unter Fischer, dann liegt dies in der Verantwortung des Trainers - und der hiess an beiden Orten nun mal Fischer. Dass man nach der internen Aufarbeitung der letzten WM dem Fischer Albelin auf's Auge gedrückt hat statt Hollenstein + von Arx ist auch kein Zufall. Sondern ein Fakt. Immerhin, es hat gewirkt, und mittlerweile spielt man wieder so, dass man gegen jeden Gegner eine Chance hat. Ob jetzt mit Fischer verlängert wird oder nicht ist mir egal. Wenn er als Trainer nun auf die Schiene gefunden hat ist es positiv für das CH-Hockey, und wenn nicht spielt der Vertrag auch keine Rolle. Sofern der nicht gerade eine überlange Laufzeit hat.

      Ich plädiere auch keineswegs für einen ausländischen Trainer, sondern habe nur die Vermutung geäussert, dass man einem "Ausländer" kaum mit solchen Stützungsmassnahmen (Albelin) unter die Arme gegriffen hätte, wie sie Fischer zuteil geworden sind. Ich gebe aber zu, dass Fischer zumindest schon immer ein guter Kommunikator + Verkäufer gewesen ist, weshalb die Nachhilfe und gerechtfertigt war oder ist. Und eben, wenn Fischer jetzt ein paar taktische Lichter aufgegangen sind, hat es sich gelohnt, das Kind nicht gleich mit dem Bade auszuschütten.
      Schade, wie immer cool und eiskalt diese Schweden. Etwas unglücklich die Tore mit den Abprallern heute von Genoni. Es fehlt halt immer noch die Effizienz, ein Andrighetto und Niederreiter wären heute wohl noch wertvoll gewesen. Und es hat dann auch etwas die Power gefehlt zum Schluss.
      "Unser Leben gleicht der Reise eines Wandrers in der Nacht. Jeder hat in seinem Gleise, etwas das ihm Kummer macht.
      Aber unerwartet schwindet vor uns Nacht und Dunkelheit, und der Schwerbedrückte findet Linderung in seinem Leid.
      Darum laßt uns weitergehen, weichet nicht verzagt zurück! Dort in jenen fernen Höhen wartet unser noch ein Glück.
      Mutig, mutig, liebe Brüder, gebt die bangen Sorgen auf: morgen geht die Sonne wieder freundlich an dem Himmel auf."

      Genau so wie damals die Schweizer Truppen an der Beresina muss sich die Nati heute Morgen vorkommen. Aber auch wie damals auf dem Rückzug aus Russland können wir trotz dem Ausscheiden stolz sein auf diese Mannschaft. Noch nie habe ich eine Schweizer Nationalmannschaft so kämpfen sehen. Wenn auch spielerisch noch Defizite vorhanden waren, so hat man gemerkt, dass jedes Spiel bei 0:0 anfing. Es wurde nicht gerechnet, sondern einfach gespielt. Die Mannschaft wurde nicht von Spiel zu Spiel lascher und träger, sondern kecker und frecher. Müdigkeitserscheinungen gab es offenbar nicht. Und jetzt ist die Enttäuschung gross. Verständlich. Und schon kreisen wieder die intelligenten Geier "Wir haben es ja schon immer gewusst". "Das Schweizer Hockey ist nicht so gut, wie immer geschrieben wird" und ähnliche Phrasen, die uns dafür umso mehr weiter bringen werden...
      kaum ist die schweiz ausgeschieden wird schon von einer olympia medaille geträumt!!

      warum? so wie es aussieht werden keine nhl spieler an den winterspielen sein. die schweiz hat an der wm drei spieler aus nordamerika (malgin, kukan, richard) dabei, der rest spielt in der heimischen liga. man ist also nicht von nhl spielern abhängig.
      richard wechselt zu servette. kukans vertrag läuft aus, wo geht er hin??

      heisst das jetzt das die schweiz eine medaille holen kann/wird?? ich sage können kann man immer, doch ich glaube eher nicht.

      die top nationen haben auch ausserhalb der nhl starke spieler. zum beispiel unser neuer ausländer broc little (usa) spieler solchen formates gibt es in europa (inkl khl) genug, dazu werden sicher noch junge talente zu den teams stossen.

      die schweiz hat vorallem im nachwuchs einige schwächen. ist halt so wenn aus den top5 der nla nur zwei, drei teams auf junge schweizer setzen. bern zug und lugano zum beispiel holen lieber fertige spieler statt ihren nachwuchs einzubinden.

      auch ein "problem" ist das es immer mehr ü35 spieler gibt, die einfach nicht aufhören wollen und so den jungen den platz wegnehmen (seger). klar, denn einem jungen passieren mehr fehler als einem "alten". gibt man den jungen einfach keine zeit mehr sich zu entwickeln?? junge sollen spielen und dürfen fehler machen denn nur so können sie besser werden. auf der bank oder tribüne lenrt man nichts

      eine weitere frage. warum spielen keine schweizer in schweden? meine theorie, ganz einfach geld. in der schweiz verdient man mehr. die liga in schweden ist besser als die nla.

      ich habe das gefühl das bei vielen clubs nur der schnelle erfolg zählt und längerfristig gar nicht geplant wird.
      mich nimmt es wunder wie es der ev zug mit seiner academy macht, setzen sie wirklich auf eigene oder holen sie weiterhin fertige spieler?